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Anlage 3 - Begründung Amely-Bölte-Straße

                                    
                                        Anlage 3

Benennungsvorschlag für das Stadtbezirksamt Altstadt
Im Stadtbezirksamt Altstadt entsteht an der Könneritzstraße/Jahnstraße/Laurinstraße eine neue
Straße, die benannt werden muss.

1. Als mögliche Namensgeberin schlagen wir eine Frau vor, die sich in ihrer Lebensleistung gut
in das zu benennende Areal einfügt:
Amely Bölte (bürgerlich: Bölte, Amalie Charlotte Elise Marianne)
Schriftstellerin, Frauenrechtlerin
*06.10.1811 Rhena/ Mecklenburg-Schwerin
†15.11.1891 Wiesbaden
Die Schriftstellerin Amely Bölte zählte zu den gesellschaftskritischen Autorinnen ihrer Zeit. Das von
ihrem Vater arrangierte Verlöbnis, der nicht wünschte, dass sie wie ihre Tante ein „gelehrtes
Frauenzimmer“ würde, löste sie in ihrem Streben nach Selbstständigkeit nach seinem Tod auf.
Zunächst als Erzieherin tätig, machte sie sich später als Mitarbeiterin des „Morgenblatts“ einen
Namen. Gleichzeitig schrieb Amely Bölte Romane und Novellen. In ihren ersten Werken schilderte sie
das Leben von Frauen der höheren Gesellschaft Englands und ihr Ringen um eine selbstständige
Existenz. Später bevorzugte sie die Form des biografischen und historischen Zeitromans. Ihr Einsatz
für die Emanzipation der Frau, insbesondere für die Verbesserung der Situation arbeitender und
unversorgter, nahm ab den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts einen hohen Stellenwert im Leben der
Schriftstellerin ein.


ab 1828 Erzieherin und Lehrerin beim Kammerherrn von Könemann auf dem Gut Pritzier



1839 – 1852 Englandreise; Romanübersetzung vom Englischen ins Deutsche und umgekehrt,
z. B. 1846 Ludwig Tiecks (1773 – 1853) dreibändiges Werk „Vittoria Accorombona“; verfassen
von eigenen Romanen und Novellen sowie deren teilweise Veröffentlichung; erste EnglandKorrespondentin für das „Morgenblatt“

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seit 1844 Briefkontakt mit Karl Varnhagen von Ense (1785 – 1858)

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1848 Erscheinungsjahr ihres ersten Werkes in Buchformat „Erzählungen aus der Mappe einer
Deutschen in London“

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1852 – 1866 Aufenthalt in Dresden; hier traf sie mit Baruch Auerbach (1812 – 1882) und KarlFerdinand Gutzkow (1811 – 1878) zusammen. Amely Bölte beteiligte sich u. a. an deren
„Unterhaltungen am häuslichen Herd“.

Herausgabe ihres meist gelesenen zweibändigen Werkes „Visitenbuch eines deutschen Arztes in
London“ (1852) und der kulturhistorischen Betrachtungen „Maria Antonia, oder Dresden vor hundert
Jahren“ (1860) sowie anonyme Veröffentlichung der „Briefe an eine Freundin“ von Karl August
Varnhagen von Ense (1860)
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1865 Gründung des „Bazars für Beamtentöchter“ in Dresden

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1866-1879 eigene Veröffentlichungen zur Frauenfrage, z. B. „Weiter und weiter“ (1867), „Die
Töchter des Obersten“ (1872), „Wohin führt es?“ (1874)

Reisen nach Paris, Rom und Karlsruhe

Die Benennung des Areals nach Amely Bölte wäre ein sinnvoller Hinweis auf eine kulturelle
Wirkungsstätte wie dem zukünftigen Kulturkraftwerk. Amely Bölte war jedoch nicht nur
Schriftstellerin, sondern auch eine gesellschaftspolitisch bewegte Frau. Eine Straßenbenennung nach
ihr würde gut in das Bild des Stadtbezirksbereichs Altstadt passen, denn hier sind zahlreiche Straßen
nach SchriftstellerInnen benannt. Auch finden sich in der nahen Umgebung der neu zu benennenden
Straße mit der Herta-Lindner-Straße und Alfred-Althus-Straße Straßen, die nach politisch engagierten
Menschen benannt wurden, was ebenfalls auf Amely Bölte in einem frauenbewegten Kontext
zutrifft.
Benennungsvorschlag: Amely-Bölte-Straße